Procurement

Source-to-Contract im Mittelstand: Wann lohnt sich der Umstieg von Excel?

Borderless Technologies
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Excel-Listen und E-Mail-Ketten funktionieren – bis sie es nicht mehr tun. Die entscheidende Frage ist nicht ob, sondern ab wann sich eine Source-to-Contract-Plattform für ein mittelständisches Unternehmen rechnet.

Warum Excel im strategischen Einkauf an seine Grenzen stößt

In vielen mittelständischen Unternehmen läuft die vorgelagerte Beschaffung – also alles von der Bedarfsdefinition über die Ausschreibung bis zur Vertragsunterzeichnung – über vertraute Werkzeuge: Excel-Tabellen für die Angebotsbewertung, E-Mails für die Lieferantenanfrage, geteilte Ordner für Verhandlungsprotokolle, Word-Dokumente für den Vertrag.

Das ist nachvollziehbar. Diese Werkzeuge sind vorhanden, jeder kann sie bedienen, und für eine einzelne, überschaubare Ausschreibung reichen sie aus. Der Bruch entsteht nicht bei der ersten Ausschreibung, sondern bei der zehnten – wenn parallele Vergabeprozesse, wechselnde Beteiligte und wachsende Dokumentationspflichten zusammenkommen.

Die typischen Schwachstellen sind dabei immer dieselben:

Versionschaos und verlorene Spuren

Welches Angebot war final? Wer hat welche Bewertung vergeben? Wenn die Antwort in der dritten Antwort-auf-die-Antwort eines E-Mail-Threads steckt, ist die Nachvollziehbarkeit dahin. Verlässt eine Person das Unternehmen, geht oft die gesamte Historie eines Vergabeverfahrens mit ihr.

Fehlende Audit-Sicherheit

Spätestens wenn ein internes Audit, eine Wirtschaftsprüfung oder eine Due-Diligence im Rahmen einer Finanzierung ansteht, wird die rekonstruierende Detektivarbeit teuer. Ohne durchgängigen Prüfpfad lässt sich nur mit erheblichem Aufwand belegen, warum welcher Lieferant zu welchen Konditionen den Zuschlag erhielt.

Maverick Buying

Wird der Einkaufsprozess als zu langsam oder zu umständlich empfunden, umgehen ihn die Fachabteilungen kurzerhand. Sie bestellen am Einkauf vorbei – und genau dort, wo eigentlich die besten Konditionen ausgehandelt werden sollten, entstehen unkontrollierte Ausgaben.

Der Mittelstand weiß um den Bedarf – die Umsetzung hinkt

Diese Schwachstellen sind keine Einzelfälle, sondern messbarer Status quo. Das jährliche Einkaufsbarometer Mittelstand, das der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) gemeinsam mit Onventis und der ESB Business School erhebt, zeichnet ein klares Bild:

33 %

der befragten Unternehmen haben keine detaillierten, digitalen Prozesse zur Lieferantenqualifizierung.

80,6 %

sehen im Lieferantenmanagement den größten Digitalisierungsbedarf.

81,5 %

setzen auf Echtzeit-Kommunikation und Plattformlösungen, um ihre Resilienz zu stärken.

85 %

der KMU sind offen für neue Technologien zur Digitalisierung ihrer Beschaffungsprozesse.

Quellen: Einkaufsbarometer Mittelstand 2024 & 2025 (BME / Onventis / ESB Business School). Vollständige Nachweise am Ende des Beitrags.

Die Botschaft dahinter ist eindeutig: Das Bewusstsein ist da, der Bedarf ist erkannt – doch in der Praxis arbeitet ein erheblicher Teil des Mittelstands noch ohne strukturierte, digitale Prozesse. Genau in dieser Lücke zwischen Anspruch und Umsetzung entscheidet sich, wer im Wettbewerb vorne liegt. Dass 81,5 Prozent ausdrücklich auf Plattformlösungen statt auf Insellösungen setzen, zeigt zudem, wohin die Reise geht.

Was digitale Source-to-Contract-Prozesse messbar leisten

Wie groß der Hebel ist, zeigt der Blick auf Unternehmen, die den Schritt bereits gegangen sind. Die folgenden Zahlen stammen aus Benchmarks von Großunternehmen – sie markieren das Potenzial, das sich mit strukturierten, digitalen Prozessen erschließen lässt. Genau dieses Potenzial holt der Mittelstand mit dem Umstieg von Excel auf eine Plattform Schritt für Schritt nach:

−58 %

kürzere Durchlaufzeit von der Anforderung bis zur Bestellung bei führenden Einkaufsorganisationen.

−60 %

weniger Maverick Buying und Vertragsverstöße durch bessere, durchgängige Prozesse.

bis −80 %

kürzere Zykluszeiten – bei voller Sichtbarkeit für Lieferanten und interne Bedarfsträger.

10–50 %

des sonst durch Maverick Spend verlorenen Werts lassen sich über Vertrags-Compliance sichern.

Quellen: The Hackett Group, Digital World Class Procurement 2025; McKinsey & Company. Benchmarks aus Großunternehmen; als Orientierung für das Potenzial zu verstehen. Vollständige Nachweise am Ende des Beitrags.

Bemerkenswert ist, dass diese Effekte exakt an den drei Schwachstellen ansetzen, die auch den Mittelstand bremsen: Geschwindigkeit (kürzere Zyklen), Kontrolle (weniger Maverick Buying) und Transparenz (Sichtbarkeit über den gesamten Prozess). Der Unterschied liegt nicht in der Art des Problems, sondern allein in der Frage, ob es mit der Tabelle oder mit einer Plattform gelöst wird.

Was Source-to-Contract eigentlich bedeutet

Source-to-Contract (S2C) bezeichnet die strategische, vorgelagerte Phase des Einkaufs: von der Bedarfsermittlung über die Marktanalyse, die Lieferantenidentifikation, die Ausschreibung (RFI, RFP, RFQ) und die Verhandlung bis zur Vertragsunterzeichnung. Sie endet dort, wo der eigentliche Bestell- und Bezahlprozess (Procure-to-Pay) beginnt.

Diese vorgelagerte Phase ist der Hebel mit der größten Wirkung. Hier werden die wirtschaftlichen Konditionen, die Servicelevel und der Umfang der Verpflichtungen für oft mehrere Jahre festgelegt. Eine S2C-Plattform überführt diesen Prozess von einer handarbeitlichen in eine steuerbare Disziplin: Ausschreibungen werden zentralisiert, Bewertungen formalisiert, der Vertragslebenszyklus abgebildet und – entscheidend – jede Entscheidung nachvollziehbar dokumentiert.

Nicht die Größe des Einkaufsteams entscheidet, sondern das Volumen an Ausschreibungen und Verträgen, das zu steuern ist.

Ein Team aus drei bis fünf Personen, das ein Portfolio von mehreren hundert Lieferanten und Dutzenden aktiven Verträgen verantwortet, zieht aus einer S2C-Software einen handfesten Vorteil – vorausgesetzt, die Lösung lässt sich schnell einführen und ist im Alltag wirklich bedienbar.

Fünf Signale, dass sich der Umstieg lohnt

Statt einer abstrakten Größenschwelle helfen konkrete Auslöser bei der Entscheidung. Wenn Sie mehrere der folgenden Punkte wiedererkennen, ist der Zeitpunkt für eine S2C-Plattform gekommen:

  1. 1

    Mehrere Ausschreibungen laufen parallel

    Sobald sich Vergabeverfahren überlappen und nicht mehr nacheinander abgearbeitet werden, wird die Koordination per Tabelle und Postfach zum Engpass. Eine Plattform synchronisiert Lastenhefte, Beiträge und Bewertungsraster an einem Ort.

  2. 2

    Mehr als eine Handvoll Menschen entscheiden mit

    Wenn Fachabteilung, Einkauf, Recht und Geschäftsführung an einer Vergabe beteiligt sind, braucht es einen gemeinsamen Raum mit klaren Rollen – keine E-Mail-Kette, in der Beiträge und Zwischenstände verloren gehen.

  3. 3

    Audits und Compliance werden zur Pflicht

    Müssen Sie gegenüber Prüfern, Investoren oder der Geschäftsleitung belegen können, wie eine Entscheidung zustande kam, ist ein nativer Prüfpfad keine Kür mehr. Er ist die Voraussetzung dafür, dass solche Anfragen nicht jedes Mal zum Projekt werden.

  4. 4

    Die Fachabteilungen umgehen den Einkauf

    Maverick Buying ist ein Werkzeugproblem, kein reines Organisationsproblem. Eine zugängliche, schnelle Lösung mit einfachen Wegen für Bedarfsträger nimmt der Umgehung die Grundlage – führende Einkaufsorganisationen senken Maverick Buying und Vertragsverstöße so um rund 60 Prozent (The Hackett Group).

  5. 5

    Sie wachsen – an Standorten, Einheiten oder Märkten

    In Organisationen mit mehreren Standorten oder Gesellschaften wird die Koordination der Beschaffung selbst zur Aufgabe. Eine zentrale Plattform harmonisiert Prozesse, ohne die regionale Eigenständigkeit aufzugeben. Nicht ohne Grund sehen 88,9 Prozent der vom BME befragten Mittelständler die schnelle Integration neuer Lieferanten als Wachstumstreiber.

Excel und S2C-Plattform im direkten Vergleich

Strategischer Einkauf: Tabelle & E-Mail vs. Source-to-Contract-Plattform
Kriterium Excel & E-Mail S2C-Plattform
Nachvollziehbarkeit Verteilt über Dateien und Postfächer Durchgängiger Prüfpfad an einem Ort
Parallele Ausschreibungen Manuell, fehleranfällig Strukturiert über Workflows steuerbar
Zusammenarbeit E-Mail-Ketten, Versionskonflikte Gemeinsamer Raum mit klaren Rollen
Audit & Compliance Aufwändige Rekonstruktion im Nachhinein Belegbar auf Knopfdruck
Wissenstransfer An einzelne Personen gebunden Im System gesichert

Transparenz ist kein Nebeneffekt – sie ist der eigentliche Gewinn

Über die offensichtliche Zeitersparnis hinaus liegt der nachhaltigste Wert einer Source-to-Contract-Plattform in der lückenlosen Nachvollziehbarkeit. Jede Bewertung, jede Verhandlungsrunde, jede Freigabe wird festgehalten. Das schützt nicht nur die Regelkonformität des Verfahrens, es macht den Einkauf gegenüber der Geschäftsleitung steuerbar: konsistente Kennzahlen statt mühsam zusammengetragener Einzelstände. McKinsey berichtet von Transformationen, bei denen die Zykluszeiten um bis zu 80 Prozent sanken – und Lieferanten wie interne Bedarfsträger erstmals jederzeit den genauen Status einsehen konnten.

Gerade im Mittelstand, wo Beschaffung selten eine große eigene Abteilung ist, entlastet das die Menschen, die den Prozess tragen. Sie verbringen weniger Zeit mit der Verwaltung von Dateien und mehr mit der eigentlichen strategischen Arbeit: bessere Lieferanten, bessere Konditionen, belastbare Entscheidungen.

Worauf es bei der Auswahl ankommt

Eine moderne S2C-Lösung erkennen Sie nicht an der Länge der Funktionsliste, sondern daran, ob sie zu Ihrer Realität passt. Drei Fragen helfen bei der Einordnung:

Lässt sie sich schnell einführen? Ein Werkzeug, dessen Einführung selbst zum Großprojekt wird, verfehlt im Mittelstand seinen Zweck. Ist sie im Alltag wirklich bedienbar? Akzeptanz entsteht über Ergonomie – auch bei den Bedarfsträgern außerhalb des Einkaufs. Und: Liefert sie Nachvollziehbarkeit von Haus aus? Ein Prüfpfad, der nachträglich zusammengesetzt werden muss, ist kein Prüfpfad.

Warum Borderless – und kein Konzern-Suite-Projekt

Eine S2C-Plattform muss zum Mittelstand passen, nicht zu einem Konzern. Genau hier setzt Borderless an – nicht als Ersatz für SAP Ariba, Coupa oder JAGGAER, sondern als Weg, einen professionellen Einkaufsprozess aufzubauen, ohne überhaupt ein solches Suite-Projekt aufzusetzen.

Der Unterschied beginnt bei der Einführung: Borderless ist in unter 14 Tagen produktiv statt nach einem zwölfmonatigen Implementierungsprojekt. Und statt starrer Workflows aus einer Standard-Suite passt sich die Plattform über einen Prozess-Designer an Ihre Realität an – nach dem Prinzip „die Plattform passt sich an Ihren Prozess an, nicht umgekehrt”. Bewertungsmatrix, Compliance-Regeln und Genehmigungsstufen stellen Sie selbst ein.

Der Prüfpfad, um den es in diesem Beitrag geht, ist dabei kein Zusatzmodul, sondern Normalbetrieb: Zertifikatsprüfungen und Vergabe-Dokumentation laufen automatisch im Hintergrund, jede Entscheidung bleibt nachvollziehbar bis ins Detail. Genau die drei Auswahlfragen oben – schnell, bedienbar, nachvollziehbar von Haus aus – sind hier die Konstruktionsprinzipien.

Quellen

  1. BME, Onventis & ESB Business School: Einkaufsbarometer Mittelstand 2024 – von der E-Rechnung zur grünen Lieferkette. Befragung von 304 Einkäuferinnen und Einkäufern im Mittelstand. bme.de
  2. BME & Onventis: Einkaufsbarometer Mittelstand 2025 – Digitales Lieferantenmanagement ist ein Must-have für den Einkauf. Veröffentlicht Januar 2026. bme.de
  3. BME: Digitale Transformation entscheidet über Resilienz des Einkaufs (Einkaufsbarometer Mittelstand 2023, 282 Befragte). bme.de
  4. The Hackett Group: 2025 Digital World Class® Procurement Research. Benchmark-Studie unter hunderten globalen Unternehmen. thehackettgroup.com
  5. McKinsey & Company: Digital procurement: For lasting value, go broad and deep sowie weitere Procurement-Benchmark-Publikationen. mckinsey.com
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